Die Stiefmutter ist immer böse, der jüngste Sohn heiratet die Prinzession und die Liebenden fin-den sich nach einer verzweifelten Taxifahrt unweigerlich im Terminal des Flughafens – diese und ähnliche Erzählmuster bilden nicht allein die Grundlage für viele Erzählungen (und Holly-wood-Filme), aufgrund ihres hohen Wiedererkennungswertes und ihrer breiten Verwendung die-nen sie den Rezipienten vielmehr zugleich als heuristisches Modell und lenken die Erwartungen, mit denen wir einem Text oder einem Film begegnen.
Wie aber ist es zu verstehen, wenn diese Erwartungen gerade nicht erfüllt werden, wenn sich die Liebenden also nicht finden oder die Schönste nicht den Besten heiratet, sondern einem anderen versprochen wird? Das Seminar möchte diese und ähnliche Fragen, die letztelich auf den se-mantischen Wert von Schema, Schemavariation und Schemabruch zielen, anhand des in der Vormoderne weit verbreiteten Erzählmodells der gefährlichen Brautwerbung untersuchen und stützt sich hierzu vor allem auf den "König Rother". Dabei wird es auch darum gehen, einen Ein-blick in die aktuelle wissenschaftliche Diskussion um das Brautwerbungsschema zu bekommen und zentrale Positionen dieser Diskussion kennenzulernen.
Textgrundlage: König Rother, hrsg. von Peter K. Stein/Ingrid Bennewitz, Stuttgart 2000 (UB 18047).
Prüfungsart: Hausarbeit
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