Das Judentum hat als eine der ältesten Zivilisationen einen festen Platz sowohl in der antiken als auch der mittelalterlichen Geschichte. Forschungsperspektiven auf jüdisches Leben in diesen Epochen fokussieren dabei häufig traumatische Verfolgungs- und Diasporaerfahrungen einerseits, aber auch Rahmenbedingungen und Formen (friedlicher) Koexistenz andererseits. Welche Aspekte jüdischen Lebens jeweils akzentuiert werden, hängt dabei maßgeblich von der Frage ab, welche Quellen überhaupt in den Blick genommen werden (können). So beleuchtet z. B. die lateinische Historiographie aus Antike und Mittelalter andere Ereignisse und Facetten als lateinische Rechtsquellen, archäologische Zeugnisse oder auch der große Komplex hebräischer Quellen. An diesem Punkt setzt das Seminar an und versucht im epochenübergreifenden Überblick Schlüsselereignisse und -themen jüdischen Lebens zu rekonstruieren und dabei auch die Herausforderungen und Möglichkeiten der (Original-)Überlieferung im Blick zu behalten. Besondere Bedeutung kommt in diesem Kontext dem Kölner Fallbeispiel zu, das nicht nur im Seminarkontext erarbeitet wird, sondern auch Ziel einer dreitägigen Exkursion (Mi., 10.06. - Fr., 12.06.) ist.
Bitte kombinieren Sie die Veranstaltung mit der Vorlesung 4.02.020.
Als existenzielle Erfahrungen sind Krankheit und Schmerz immer auch mit der Wahrnehmung und Thematisierung von Körperlichkeit verknüpft, sei es, dass z. B. schmerzende Körperteile benannt, körperliche Dysfunktionen als Folge eine Erkrankung beschrieben oder der Körper als Indikator eines gestörten seelischen Gleichgewichts betrachtet wird. Welche Verbindungslinien zwischen Körper und Krankheit jedoch gezogen werden können, hängt auch davon ab, welches Verständnis dieser beiden Größen jeweils vorliegt, denn: Krankheit und Körper sind keine überzeitlichen, statischen Begriffe, sondern kultur- und kontextabhängige Konzepte. Ausgehend von dieser Grundüberlegung wendet sich das Aufbauseminar Körper- und Krankheitsvorstellungen des Mittelalters zu und fokussiert zum einen normative (medizinische, wissenschaftliche etc.) Krankheits- und Körperbilder, berücksichtigt zum anderen aber auch die Ebene der Krankheits- und Körpererfahrung, die z. B. über Selbstzeugnisse greifbar wird. Als dritte Größe neben Krankheit und Körper wird dabei grundsätzlich der Faktor Geschlecht betrachtet, so dass auf der Suche nach „Frauenleid und Männerschmerz“ insgesamt die wechselseitige Beziehung von Körper, Krankheit und Geschlecht im Mittelalter erhellt werden kann.
Als Aufbauseminar ist die Veranstaltung sowohl für „Neulinge“ als auch für Wiederholungstäter:innen im Bereich der mittelalterlichen Geschichte anschlussfähig und zielt auf den Aufbau von Grundlagenwissen zum Seminarthema sowie auf eine vertiefte Auseinandersetzung mit zentralen Quellengattungen und ausgewählten Forschungsfeldern der Mediävistik. Dies mündet ein in die durch Seminarlektüre und Studienleistungen vorbereitete Entwicklung eines eigenen kleinen Forschungsvorhabens im Rahmen einer Hausarbeit.
Das Mittelalter hat in Bezug auf Geschlechterordnungen einen schlechten Ruf, gilt es doch häufig als Inbegriff einer patriarchalen und homophoben Gesellschaft unter der Herrschaft „der“ rigiden katholischen Kirche. In gewisser und oberflächlicher Weise sind die Attribute „patriarchal“ und „homophob“ auch berechtigt ("die" katholische Kirche gab es hingegen übrigens nicht). Aber das Spannende am Mittelalter ist die Fluidität gegenüber unseren modernen Denkmustern, die konzeptionell im Mittelpunkt stehen wird. Damit vermittelt dieses Seminar auch grundlegende Erkenntnisse über das Spannungsverhältnis zwischen mittelalterlichen Vorstellungswelten und modernen Kategorien. Wir werden dafür mittelalterliche Phänomene erkunden, die der modernen Vorstellung einer Geschlechterbinarität zuwiderlaufen und von denen einige, aber eben längst nicht alle im Mittelalter sanktioniert wurden. Dabei geht es um gleichgeschlechtliche Liebe, unspektakuläre und umstrittene Geschlechtswechsel, um Crossdressing, „Hermaphroditen“, Eunuchen und um körperliche, aus heutiger Sicht fluide Geschlechterkonzepte, bevor die Biologie ab dem 18./19. Jahrhundert das moderne rigide Zweigeschlechtermodell (xy/xx) etablierte. Der regionale Schwerpunkt liegt auf Westeuropa, aber wir werden auch in den Nahen Osten blicken.
Voraussetzung für das Seminar ist gutes Handwerk in der Textarbeit, um auch anspruchsvollere Forschungs- und Quellentexte (auch auf Englisch) zu verstehen und sich intellektuell mit mittelalterlichen Denkwelten und Praktiken auseinander zu setzen. Um die Prüfungsleistung zu bestehen, ist erfahrungsgemäß regelmäßige Anwesenheit erforderlich. Als Vorbereitung für die Seminararbeit werden wir das Verfassen von Forschungsüberblicken (Aufgabenstellung am 7. Mai, Abgabetermin am 1. Juni, ca. 2-3 S. Umfang) üben, die wir in einer Schreibwerkstatt (Montag, 15.6., 14-18h, zwei reguläre Donnerstagssitzungen fallen dafür weg) anonymisiert besprechen. Zur Studienleistung gehören zudem regelmäßige Lektürekommentare. Für die Module ges122 und gen222 ist der Test in der zugehörigen Vorlesung „Geschlechtergeschichte des Mittelalters“ (dienstags, 16-18h, Test am 16.6.) Teil der Prüfungsleistung. Falls Sie schon einen erfolgreichen Test in einer vorangegangenen Mittelaltervorlesung bei mir abgelegt haben, wird Ihnen diese Prüfungsleistung jedoch erlassen.
Um eine möglichst homogene Verteilung der Teilnehmer*innen zu gewährleisten, sind die Seminare teilnahmebeschränkt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Veranstalter*innen.
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Module examination
RE
Skills to be acquired in this module
Die Studierenden …
erweitern das im Basiscurriculum erworbene strukturierte historische Grundwissen über das Mittelalter;
vertiefen ihre Kenntnisse zu den Spezifika mittelalterlicher (Original-)Quellen sowie zu Hilfsmitteln und Methoden zur kritischen Auseinandersetzung mit diesen Quellen;
stärken ihr Reflexionsvermögen hinsichtlich fachlicher Konzepte und Ansätze und setzen sich kritisch mit den Ergebnissen historischer Forschung auseinander;
bearbeiten mediävistische Fragestellungen unter Anwendung der wissenschaftlichen Methoden und Arbeitstechniken des Fachs und gelangen zu rationalen Urteilen;
erweitern ihre im Basiscurriculum geförderten Kommunikations- und Vermittlungskompetenzen.