Stud.IP Uni Oldenburg
Universität Oldenburg
29.11.2021 16:36:24
sla871 - Politik- und Sozialgeschichte (Veranstaltungsübersicht)
Institut für Slavistik 15 KP
Prüfungsberechtigte Lehrende der FK IV
Modulteile Semesterveranstaltungen Wintersemester 2021/2022 Prüfungsleistung
Seminar
  • Eingeschränkter Zugang 4.02.052 - Von der sowjetischen Pribaltika zur Wiederherstellung staatlicher Souveränität: Die baltischen Republiken in der UdSSR und ihr Weg zurück in die Unabhängigkeit Lehrende anzeigen
    • Prof. Dr. Malte Rolf

    Mittwoch: 14:15 - 15:45, wöchentlich (ab 03.11.2021)
    Termine am Freitag. 28.01.22 16:15 - 19:45

    Bitte kombinieren Sie dieses Seminar mit der Vorlesung 4.02.050. 1940 und erneut 1944 wurden Estland, Lettland und Litauen von der Roten Armee besetzt und zwangsweise in die Sowjetunion integriert. Erst 1991 erlangten die drei baltischen Staaten wieder ihre Unabhängigkeit. Das Hauptseminar wird sich mit der jahrzehntelangen sowjetischen Herrschaft im Baltikum (auf Russisch Pribaltika) und ihren tiefgreifenden Folgen befassen. Es werden dabei einerseits die neuen Eliten der baltischen Sowjetrepubliken und ihre politischen Handlungsoptionen behandelt. Andererseits sollen die verschiedenen Strategien der Bevölkerung, sich mit den staatssozialistischen Verhältnissen zu arrangieren, zum Teil auch gegen sie zu opponieren, diskutiert werden. Gegenstand des Seminars ist damit zugleich, die grundsätzliche Widersprüchlichkeit der sowjetischen Nationalitätenpolitik, die auf der einen Seite nationale Kultur unterdrückte, auf der anderen aber doch einen stark nationalisierten Sozialismus propagierte. Spätestens in der Gorbatschowschen Perestroika erwuchs aus diesem Gegensatz eine erhebliche Sprengkraft. Das Hauptseminar wird anhand des Beispiels der baltischen Republiken die Entstehung einer Demokratiebewegung nachzeichnen und untersuchen, inwieweit diese zum Zerfall der Sowjetunion beigetragen hat. Wie bestritten die Balten ihren Weg zurück in die Unabhängigkeit? Welche Auswirkungen hatte das auf das Gesamtgefüge der UdSSR? In mehreren Sitzungen sollen dann auch die post-sowjetische Transformationsphase und die weitere Entwicklung Estlands, Lettlands und Litauens als (wieder) souveräne Staaten in den Blick genommen werden. Der begleitende Besuch der Vorlesung zur sowjetischen Nationalitätenpolitik wird empfohlen. Beginn der Veranstaltung: 03. November 2021 Die Veranstaltung wird teilweise als Blockveranstaltung durchgeführt. Prüfungsleistung: Portfolio Empfohlene Literatur - Violeta Davoliute, The Making and Breaking of Soviet Lithuania, London 2013. - David Feest, Die Sowjetisierung des estnischen Dorfes 1944-1953, Dissertation, Universität Göttingen, Göttingen 2003. - Anu Mai Kõll (Hg.), The Baltic Countries under Occupation. Soviet and Nazi Rule 1939-1991, The Baltic Countries under Occupation. Soviet and Nazi Rule 1939-1991, Stockholm 2003. - Dalia Leinarte, Adopting and Remembering Soviet Reality. Life Stories of Lithuanian Women, 1945-1970, Amsterdam 2010. - Jolita Lenkevičiūte, Vilnius im Wandel. Wohnsegregation in einer ostmitteleuropäischen Hauptstadt, Berlin 2006. - Olaf Mertelsmann (Hg.), The Baltic States under Stalinist Rule, Köln 2016. - Andrejs Plakans, A Concise History of the Baltic States, Cambridge 2011. - Aldis Purs, Baltic Facades. Estonia, Latvia and Lithuania since 1945, London 2012. - Theodore R. Weeks, Vilnius between Nations, 1795-2000, DeKalb 2015.

  • Eingeschränkter Zugang 4.02.053 - Tödliche Langeweile - tödliche Gewalt. Was sich aus den Autobiographien hoher Beamter über den politischen Alltag im späten Zarenreich lernen lässt Lehrende anzeigen
    • Dr. Benedikt Tondera

    Dienstag: 16:15 - 17:45, wöchentlich (ab 19.10.2021)

    Auf der Verwaltungselite des Zarenreichs ruhten zu Beginn des 19. Jahrhunderts große Hoffnungen. Der Historiker Nikolai Karamzin riet Zar Alexander I., er müsse 50 „weise und verantwortungsvolle Beamte“ finden, dann werde sich das Imperium vorteilhaft entwickeln. In der Forschung wird der Niedergang des Russischen Reiches insofern auch als Scheiterns der imperialen Personalpolitik in Hinblick auf die höchsten Verwaltungsebenen interpretiert. An diesem Punkt setzt das Seminar an: Es wird darum gehen, die Rolle führender russischer Beamter in Zeiten des kulturellen, politischen und sozialen Wandels in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu untersuchen und das Stereotyp einer ineffizienten, vormodernen Verwaltungspraxis im Zarenreich zu hinterfragen. Insbesondere stehen dabei Biographien von Provinzgouverneuren im Blickpunkt, die weitab von Petersburg als „Stellvertreter des Zaren“ über weitreichende Handlungsautonomie und Macht verfügten. Die Untersuchung ihres Selbstverständnisses, ihrer Handlungsstrategien und ihrer Karriereverläufe soll Aufschluss darüber geben, was die Besonderheiten des zarischen Verwaltungsapparates in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausmachte. Bitte kombinieren Sie dieses Seminar mit der Vorlesung 4.02.050.

Vorlesung
  • Uneingeschränkter Zugang 4.02.050 - Die Sowjetunion als Vielvölkerreich: Nationalitätenfragen und - politiken in der UdSSR (1917-1991)/ asynchron Lehrende anzeigen
    • Prof. Dr. Malte Rolf

    Dienstag: 12:00 - 15:00, wöchentlich (ab 02.11.2021)

    Die Herrschaft der Bolschewiki begann als „rote Reconquista“, als militärische Eroberung der heterogenen Territorien des alten russischen Vielvölkerreiches. Und sie endete mit dem Aufstand der Nationalbewegungen und der Unabhängigkeitserklärung vieler „kleiner Völker“. Der multiethnische Charakter der Sowjetunion prägte somit ihre Geschichte von 1917 bis 1991. Die Vorlesung wird sich mit den Nationalitätenfragen und -politiken in der UdSSR befassen. Es sollen ihre Bedeutungen für den föderativen Staatsaufbau, die gesellschaftlichen Beziehungen und die kulturelle Landschaft der Sowjetunion herausgearbeitet werden. Nicht zuletzt soll die finale Krise des sowjetischen Vielvölkerreiches diskutiert werden. Der begleitende Besuch einer der Seminare zur sowjetischen Geschichte wird empfohlen. Die Prüfungsleistungen werden in den begleitenden Seminaren erbracht. Beginn der Veranstaltung: 02. November 2021 Empfohlene Literatur - Altrichter, Helmut: Kleine Geschichte der Sowjetunion: 1917-1991, München 2001. - Baberowski, Jörg: Stalinismus und Nation: Die Sowjetunion als Vielvölkerreich 1917-1953, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 54:3 (2006), S. 199-213. - Hildermeier, Manfred: Die Sowjetunion 1917-1991, München 2001. - Kappeler, Andreas: Rußland als Vielvölkerreich, München 1992. - Lapidus, Gail W. (Hg.): The "Nationality Question" in the Soviet Union, New York 1992. - Martin, Terry: The Affirmative Action Empire. Nations and Nationalism in the Soviet Union, 1923-1939, Ithaca 2001. - Suny, Ronald Grigor und Martin, Terry (Hg.): A State of Nations. Empire and Nation-Making in the Age of Lenin and Stalin, Oxford 2001. - Suny, Ronald Grigor (Hg.): The Cambridge History of Russia, Bd. 3: The Twentieth Century, Cambridge 2006.

Hinweise zum Modul
Prüfungszeiten
der Hausarbeit bis 8 Wochen nach Veranstaltungsende
Prüfungsleistung Modul
Klausur oder Hausarbeit oder mündliche Prüfung
Kompetenzziele
Kenntnisse der ostmittel- und osteuropäischen Geschichte mit besonderer Fokussierung auf die Beziehungsaspekte. Schwerpunkt: 16.-20. Jh. Kulturhistorisches und geographisches Orientierungsvermögen über den östlichen Teil des europäischen Kontinents; Verständnis für die Interdependenz außen- und innenpolitischer Entwicklungen sowie sozialer Wandlungsprozesse.
Die Kenntnis osteuropäischer Sprachen ist erwünscht, wird aber nicht vorausgesetzt.
Befähigung zu einem problemorientierten Umgang mit politik- und sozialgeschichtlichen Phänomenen in unterschiedlichen Epochen. Analytisches Umgehen mit politikgeschichtlichen Phänomenen. Erkennen der Interdependenz von Politik und Recht. Dabei sollen Grundkenntnisse der historischen Diskursanalyse vermittelt werden.
Neben der Vermittlung spezifischen Fachwissens sollen die Fähigkeiten zu selbständigem, quellenbezogenem wissenschaftlichem Arbeiten unter Anwendung methodischer und theoretischer Konzepte vertieft werden. Besonderer Wert wird dabei auf die eigenständige Entwicklung historischer Fragestellungen gelegt. Historiographische Methoden sollen selbständig angewendet werden.
Befähigung, die Besonderheiten zurückliegender Epochen und der osteuropäischen Region im europäischen Vergleich und ihre spezifische Beziehung zu Deutschland zu begreifen sowie die Bedingungen historischen Wandels zu verstehen und kritisch zu reflektieren.
- Befähigung, konsistent strukturierte, argumentierende Texte zu verfassen und Vorträge zu halten. Befähigung, historische Erkenntnisse anschaulich zu vermitteln.